Suchen beginnt nicht mehr nur mit einem getippten Begriff. Immer öfter steht am Anfang ein Foto: ein Boden, ein Gericht, ein Möbelstück, eine Fassade. Google hat im September 2026 begonnen, genau diese bildbasierten Suchen in der Search Console sichtbar zu machen.
Dieser Beitrag ordnet ein, was Google tatsächlich eingeführt hat, was die neuen Daten zeigen können – und welche technischen Grundlagen auf einer Unternehmenswebsite dafür sorgen, dass Bildinhalte überhaupt verstanden werden. Wo wir Google zitieren, ist das gekennzeichnet; alles andere ist unsere fachliche Einordnung.
Wenn ein Foto zur Suchanfrage wird
Ein mögliches Szenario: Jemand sieht bei Bekannten einen Parkettboden im Fischgrätmuster und möchte etwas Ähnliches. Den Fachbegriff kennt er nicht. Statt umständlich zu beschreiben, was er sieht, fotografiert er den Boden mit Google Lens.
Die Suche geht also von einem Bild aus, nicht von einem Suchbegriff. Ob und mit welcher Seite ein Bodenleger in diesem Moment auftaucht, hängt davon ab, ob seine Website zu genau diesem Motiv verständliche Inhalte bietet – etwa eine Leistungsseite mit echten Projektfotos und erklärendem Text.
Das Beispiel ist bewusst konstruiert. Es beschreibt eine typische Situation, kein gemessenes Suchverhalten eines bestimmten Kunden.
Was Google im September 2026 geändert hat
Am 24. September 2026 hat Google im Search Central Blog angekündigt, dass die Search Console Daten zur multimodalen Websuche ausweist. Laut Google umfasst das Suchen mit:
- Google Lens
- Circle to Search auf Android
- Bild-Uploads in die Google-Suche
- der Chrome-Funktion „Search this image“ per Rechtsklick
Die Daten erscheinen laut Ankündigung im Leistungsbericht für die Suchergebnisse und im Bericht für generative KI-Funktionen. Ausgewertet werden sie über einen neuen Filter für den multimodalen Suchtyp. Die Einführung erfolgt weltweit; Daten tauchen nur auf, wenn eine Website tatsächlich Traffic aus solchen Suchen erhält.
Wichtig ist die Einordnung: Google hat eine Reporting-Funktion eingeführt, keine angekündigte Änderung an den Ranking-Systemen. Bildbasierte Suchen gab es schon vorher. Neu ist, dass Websitebetreiber diesen Anteil getrennt von klassischen Textsuchen sehen können.
Wie multimodale Suche funktioniert
„Multimodal“ bedeutet, dass eine Suche nicht nur aus Text besteht, sondern zum Beispiel von einem Bild ausgeht. Google versucht dann, das Motiv einzuordnen und passende Ergebnisse aus dem Web zu zeigen.
Wie Google ein Foto intern auswertet, legt das Unternehmen nicht im Detail offen. Darüber spekulieren wir hier nicht. Dokumentiert ist aber, welche Angaben auf einer Website Google helfen, Bilder zu verstehen. In der Dokumentation zu Google Bilder nennt Google unter anderem:
- den Text rund um das Bild – Bilder sollen in der Nähe von relevantem Text stehen
- den Alt-Text, den Google als wichtigstes Metadatenattribut für Bilder beschreibt
- einen beschreibenden Dateinamen statt
IMG_4711.jpg
- Seitentitel und Metadaten sowie die Kennzeichnung eines repräsentativen Bildes, etwa über
og:image
Unsere Einordnung: Eine Bildsuche führt am Ende auf eine Webseite. Je klarer diese Seite erklärt, was auf dem Bild zu sehen ist und welche Leistung oder welches Produkt dahintersteht, desto besser kann sie als Ergebnis eingeordnet werden. Eine reine Galerie ohne Text liefert dafür wenig Kontext.
Bedeutung für KMU und Handwerksbetriebe
Relevant ist das vor allem für Unternehmen, deren Angebot man sehen kann:
- Bodenleger und Tischlereien: Holzarten, Verlegemuster, Oberflächen und Möbel sind typische Motive, die Menschen fotografieren, wenn ihnen der Fachbegriff fehlt. Leistungsseiten, die solche Motive mit echten Projektfotos und verständlichen Erklärungen verbinden, bieten dafür passende Inhalte. Wie eine strukturierte Website für einen Parkettbetrieb aufgebaut sein kann, zeigt unsere Case Study zu Parkett Stelzl.
- Gastronomie: Gerichte, Innenräume oder die Außenansicht eines Lokals werden oft fotografiert und geteilt. Eine Website mit aktueller Speisekarte als Text, echten Fotos und klaren Angaben zu Standort und Öffnungszeiten ist hier die Grundlage – unabhängig davon, ob jemand per Text oder per Bild sucht.
- Produktanbieter: Wer Leuchten, Fliesen, Ersatzteile oder Möbel verkauft, profitiert von eigenen, aussagekräftigen Produktfotos und Produktseiten mit vollständigen Angaben. Herstellerbilder, die auf vielen Websites identisch vorkommen, unterscheiden ein Angebot kaum.
- Dienstleister mit visuellen Referenzen: Garten- und Landschaftsbau, Fassaden, Innenausbau oder Bäder leben von Vorher-nachher-Ergebnissen. Referenzseiten mit Ort, Aufgabe, Material und Ergebnis geben einem Bild den Kontext, den ein bloßer Bilderstrom nicht hat.
Was sich daraus nicht ableiten lässt: dass jeder Betrieb jetzt nennenswerten Traffic aus Lens-Suchen erhält. Das zeigen erst die eigenen Daten.
Die technische Grundlage guter Bildinhalte
Ob Bilder auffindbar sind, entscheidet sich selten an einer einzelnen Maßnahme. Es ist das Zusammenspiel aus Inhalt, Seitenstruktur und sauberer technischer Umsetzung. Die folgenden Punkte stützen sich auf Googles Dokumentation und etablierte Webstandards – sie sind Voraussetzungen, keine Ranking-Garantie.
Bilddateien und Bildkontext
Google indexiert Bilder aus dem <img>-Element, auch innerhalb von <picture>. CSS-Hintergrundbilder indexiert Google laut eigener Dokumentation nicht. Das ist in der Praxis relevant: Viele Theme-Slider und Hero-Bereiche setzen genau die aussagekräftigsten Fotos als Hintergrundbild ein. Für Suchmaschinen sind sie damit unsichtbar.
Unterstützt werden gängige Formate wie JPEG, PNG, WebP, AVIF und SVG. Die Dateiendung sollte zum tatsächlichen Format passen.
Alt-Texte und Barrierefreiheit
Der Alt-Text beschreibt, was auf einem Bild zu sehen ist – in erster Linie für Menschen, die das Bild nicht sehen können. Google nutzt ihn ebenfalls und warnt ausdrücklich davor, Alt-Attribute mit Keywords zu füllen. Ein guter Alt-Text ist daher konkret und beschreibend, kein Keyword-Feld:
<figure>
<img
src="/img/referenzen/fischgraet-eiche-wohnzimmer-800.jpg"
srcset="/img/referenzen/fischgraet-eiche-wohnzimmer-800.jpg 800w,
/img/referenzen/fischgraet-eiche-wohnzimmer-1600.jpg 1600w"
sizes="(max-width: 768px) 100vw, 800px"
width="1600"
height="1067"
alt="Fischgrätparkett aus geölter Eiche in einem hellen Wohnzimmer"
/>
<figcaption>Fischgrätparkett in Eiche, geölt – Beispiel für eine Referenzseite</figcaption>
</figure>
Dekorative Bilder ohne Informationsgehalt bekommen dagegen ein leeres alt="", damit Screenreader sie überspringen.
Bildgrößen, Performance und Responsive Images
Bilder sind laut Google oft der größte Anteil am Seitengewicht. Responsive Images über srcset oder <picture> liefern jedem Gerät eine passende Größe. Google empfiehlt dabei, immer eine Fallback-URL im src-Attribut anzugeben, weil nicht jeder Crawler srcset auswertet. Feste width- und height-Angaben verhindern zusätzlich Layoutverschiebungen beim Laden. Details zu Formaten und Lazy Loading haben wir im Beitrag zur Website-Performance beschrieben.
Indexierbarkeit
Ein Bild kann nur gefunden werden, wenn die Seite, auf der es steht, gecrawlt und indexiert werden darf – und die Bilddatei selbst nicht blockiert ist. In der Praxis lohnt ein Blick auf:
robots.txt-Regeln, die Bildverzeichnisse oder CDN-Pfade sperren
- Bilder, die erst nach einer Interaktion per JavaScript nachgeladen werden
- Bild-URLs auf externen Domains, etwa bei einem CDN – Google erlaubt sie in Bild-Sitemaps und empfiehlt, die CDN-Domain in der Search Console zu bestätigen
Für Bilder, die Google sonst schwer findet, ist eine Bild-Sitemap ein dokumentierter Weg. Die allgemeinen Grundlagen dazu beschreibt unser Beitrag zu den SEO-Grundlagen für KMU.
Strukturierte Daten – nur wo sie passen
Für KI-Funktionen wie AI Overviews und AI Mode braucht es laut Google kein spezielles Schema-Markup. In Google Bilder können strukturierte Daten dazu führen, dass ein Bild als Rich Result mit einem Badge erscheint; die Bildangabe ist dafür ein Pflichtfeld. Unsere Empfehlung: strukturierte Daten nur dort einsetzen, wo sie den sichtbaren Inhalt korrekt beschreiben, zum Beispiel auf echten Produktseiten. Markup auf Vorrat bringt nichts.
Referenzseiten statt reiner Bildergalerien
Technisch sauber eingebundene Bilder helfen wenig, wenn die Seite drumherum nichts erklärt. Eine gute Referenzseite verbindet mehrere Fotos eines Projekts mit Text: Was war die Aufgabe? Welches Material, welche Technik? Wo wurde umgesetzt? Damit bekommt jedes Bild einen eindeutigen Kontext – für Besucher und für Suchmaschinen.
Hier zeigt sich, warum wir Websites als technisches Gesamtsystem betrachten: Bildpipeline, CMS-Struktur, Seitenaufbau und Inhalte müssen zusammenpassen. Ein CMS, in dem Referenzen als strukturierte Einträge mit Feldern für Ort, Material und Beschreibung gepflegt werden, macht gute Bildkontexte zur Routine statt zur Ausnahme.
Was die neuen Search-Console-Daten zeigen können
Laut Search-Console-Hilfe unterscheidet der Suchtyp-Filter im Leistungsbericht jetzt zwischen „Web: text-based“ und „Web: multimodal“ (so die Bezeichnungen in der englischen Hilfe). Damit lässt sich erstmals getrennt betrachten, welche Seiten Klicks und Impressionen aus bildbasierten Suchen erhalten.
Dabei sollten Sie einige Punkte auseinanderhalten:
- Multimodal ist nicht „Bilder“. Der bisherige Suchtyp „Bilder“ erfasst Traffic aus dem Google-Bilder-Tab. Der multimodale Suchtyp gehört zur Websuche und erfasst Suchen, die von einem Bild ausgehen.
- Der Bericht für generative KI-Funktionen zeigt laut Google, wie oft Links zu Ihrer Website in AI Overviews und AI Mode angezeigt wurden – als Impressionen, ebenfalls mit Unterscheidung nach text-basierter und multimodaler Suche. Er ist laut Hilfe seit Ende August 2026 verfügbar und erscheint nicht, wenn eine Website zu wenige Impressionen in diesen Funktionen hat.
- Keine Daten heißt nicht automatisch ein Problem. Die Werte erscheinen nur, wenn tatsächlich Traffic aus solchen Suchen entsteht. Für viele kleinere Websites werden die Zahlen anfangs gering sein.
- Neueste Daten sind vorläufig. Google weist darauf hin, dass sich die jüngsten Werte noch ändern können.
Eine Einschränkung aus unserer Sicht: Die Ankündigung sagt nichts dazu, wie Suchanfragen bei bildbasierten Suchen in der Tabelle dargestellt werden. Wir würden deshalb zuerst auf Seiten, Geräte und den zeitlichen Verlauf schauen – also darauf, welche Inhalte überhaupt über Bildsuchen gefunden werden. Für Vergleiche über längere Zeiträume lassen sich die Daten exportieren.
Was Unternehmen konkret überprüfen sollten
Ein kurzer Prüfpfad, ohne daraus ein Großprojekt zu machen:
- Search Console öffnen und im Leistungsbericht den Suchtyp „Web: multimodal“ auswählen. Gibt es Daten – und welche Seiten tauchen auf?
- Wichtigste Bildseiten prüfen: Stehen die aussagekräftigsten Fotos als
<img> im HTML oder als CSS-Hintergrund?
- Alt-Texte stichprobenartig lesen: Beschreiben sie das Bild – oder fehlen sie bzw. sind mit Keywords gefüllt?
- Eigene Fotos statt Stockmaterial: Zeigen Leistungs- und Referenzseiten echte Arbeiten und Produkte?
- Kontext ergänzen: Hat jede wichtige Bildseite erklärenden Text zu Leistung, Material und Ort?
- Ladezeit und Mobilansicht prüfen: Werden Bilder in passender Größe ausgeliefert?
Fazit
Visuelle Suchtechnologien erweitern die Möglichkeiten, Unternehmensinhalte zu entdecken. Mit den neuen Search-Console-Daten wird dieser Weg erstmals messbar – an den Grundlagen ändert das nichts.
Entscheidend bleibt das Zusammenspiel aus Inhalt, Kontext und sauberer technischer Umsetzung: echte Bilder, die als Bilder im HTML stehen, verständlich beschrieben sind, schnell laden und auf Seiten eingebettet sind, die erklären, was zu sehen ist.
Wenn Sie prüfen lassen möchten, ob Bilder, Seitenstruktur und Technik Ihrer Website sauber zusammenspielen, unterstützen wir Sie im Rahmen unserer technischen SEO – oder Sie schildern uns Ihre Ausgangslage.
Quellen